ABUS_Dessau_Handball

Die Abschlussfahrt

Wer jetzt genau die Idee hatte und zu welchem Zeitpunkt lässt sich nur schwer ermitteln, aber der Verdacht liegt nahe, dass das Ganze von Torwart Thomas Fräßdorf initiiert wurde, irgendwann im Oktober vergangenen Jahres. Da wurde der Spielplan noch einmal genau unter die Lupe genommen und festgestellt, dass am letzten Spieltag der Weg nach Holzdorf führt, die längste Auswärtsfahrt im Kalender der SG ABUS Dessau am 27.04.2019 um 17 Uhr.

Also was tun wenn man das Los gezogen hat, die Saison 2018/19 ausgerechnet in weiter Ferne abzuschließen, an der Grenze zum Bundesland Brandenburg. Richtig, man mietet einen Bus, lädt noch ein paar alte Weggefährten mit ein und jeden anderen der Lust hat eine kleine Reise zu unternehmen, durch den Landkreis Wittenberg mit dem Ziel Holzdorf.

Es war dann ABUS Torwart Legende Maik Schulze, der sich der Sache mit dem Bus annahm und bei der Firma Braunmiller aus Dessau fündig  wurde, die freundlicher Weise den fahrbaren Untersatz für diesen Ausflug bereitstellen. Absolutes Neuland ist das für Verein und Spieler, nicht am Tag der Abfahrt das Auto betanken zu müssen und den Fahrer am Treffpunkt auszulosen, der die weite Strecke in Angriff nimmt. Nein diesmal darf sich jeder gemütlich auf seinen Sitz begeben, die Beine lang machen und die Aussicht genießen, während es in entspannter Atmosphäre zum Saisonfinale geht.

Dabei wird Trainer Marcel Kerner alle Hände voll zu tun haben die Meute ruhig zu halten, damit die Kronkorken nicht frühzeitig von den Flaschen schnippen und vom leckeren Gerstensaft gekostet wird. Schließlich hat ABUS da noch so eine Sache zu erledigen, das heißt noch einmal 60 Minuten auf der Platte stehen, um 2 Zähler auf das recht ausgedünnte Punktekonto zu buchen. Denn die SG ABUS Dessau spielt in diesem Jahr die wohl schlechteste Saison, seit das Team in der Anhaltliga auf Tore Jagd geht. Da wäre natürlich ein Auswärtssieg bei den starken Holzdorfern Balsam für die geschundenen ABUS Seelen.

Und da kommt die Brisanz in das Duell mit dem TV FrischAuf Holzdorf. ABUS kann nämlich unfreiwillig zum Meistermacher werden. Denn an der Spitze der Anhaltliga hat sich ein Zweikampf um die Krone herauskristallisiert und dem damit verbundenen Aufstieg in die Verbandsliga. Die Holzdorfer liegen nach Minuspunkten gleich auf mit dem SV Grün Weiß Wittenberg Piesteritz, die derzeit die Spitze der Anhaltliga inne haben. Mit einem Spiel weniger und einem Sieg gegen ABUS, kann FrischAuf die Lutherstädter noch vom Thron stürzen und zum ersten mal die Anhalt Meisterschaft feiern. Es wäre wohl der größte Erfolg in der jüngeren Geschichte für die kleine 1100 Seelen Gemeinde im Osten Sachsen- Anhalts, die überregional bekannt ist durch den angrenzenden Fliegerhorst der Bundeswehr.

ABUS steht also vor der schweren Aufgabe, entweder mit dem neuen Meister der Anhaltliga ordentlich zu feiern nach Spielende, was natürlich eine Niederlage der SG voraussetzt, oder bei Zeiten vom Hof gejagt zu werden, wenn die Holzdorfer kurz vor der Ziellinie doch noch straucheln und ABUS mit einem Sieg im Gepäck, die Heimreise in die Bauhausstadt antreten wird.

Die letzten Ergebnisse der SG ABUS Dessau beim Aufeinandertreffen mit den Holzdorfern deuten aber eher auf ersteres hin, denn ein Sieg gegen die FrischAufler liegt schon eine ganze Weile zurück und vor allem in der Mehrzweckhalle im Ortsteil Holzdorf-Ost, gab es zuletzt keine Punkte und die Mannschaft schlürfte stets mit hängenden Köpfen vom Parkett. Hinzu kommt noch das die Halle aus allen Nähten platzen wird, denn jeder der auch nur ansatzweise mit der Heimmannschaft sympathisiert, wird sich in Bewegung setzen um die Holzdorfer zum Anhaltliga Titel zu pushen.

Egal wie das Spiel läuft und wie am Ende das Ergebnis lautet, der Spaß steht an diesem Tag im Vordergrund. In der Tabelle geht es für die SG ABUS Dessau ohnehin weder vor noch zurück. Daher wird der letzte Spieltag der Saison mit der Abschlussfahrt nach Holzdorf auch als eine Art teambildende Maßnahme genutzt, das war sicher auch der Gedanke von Thomas Fräßdorf, als er im vergangenen Oktober auf diese Idee mit der Busfahrt kam.